Wie viel Mut hat ein Autor?

Zur Preisverteilung beim diesjährigen „Concours Littéraire National“


Anlässlich der kleinen Feier zur Vergabe des diesjährigen nationalen Literaturpreises in Mersch gab es einige interessante Momente, weil es eben immer wieder gute Redner gibt, die sich bemühen, wichtige und grundsätzliche Überlegungen zu einem bestimmten Thema herüber zu bringen.

Auch boten die literarischen Texte, die im Literaturzentrum aus den prämierten Werken vorgetragen wurden, Anregungen, rührten an eigene Gedanken, Erinnerungen und Emotionen, so dass es in Mersch einige wirklich intensive literarische, philosophische und auch musikalische Momente gab.

Die Preisverleihung fand im Beisein von Staatssekretärin Octavie Modert statt, die ihrerseits ermutigende und lobende Worte für das literarische Schaffen in Luxemburg fand; der junge Maxim Lalid trug seinerseits am Klavier wesentlich zum Gelingen der Feier bei.

Erster Preis für Guy Wagner

Der nationale Literaturpreis war in diesem Jahr einem Theaterstück gewidmet, so dass sich die Jury auch aus Theaterfachleuten zusammensetzte, und der Gewinner des Wettbewerbs ist Guy Wagner, mit seinem luxemburgischen Stück „D’Enn, mäi Frënd“; der zweite Preis ging an Jean-Paul Maes für sein Stück „Singapur“, und der dritte Preis ging an Carine Krecké für ihr Stück „Rien à dire“.

Eine „Mention spéciale“ erhielt Mario Fioretti für sein Stück „Mögen Sie Klassiker?“, und André Link bekam in dieser Kategorie gleich zwei Auszeichnungen für seine Stücke „Dee mam Saxo“ und „Mano, Boca, Suisse.“

Neue Talente

Einleitend ging die Direktorin des Literaturzentrums Germaine Goetzinger auf die Geschichte des Literaturpreises ein, der im Kulturministerium von Roger Manderscheid eingeführt wurde, und der einen Anreiz bieten sollte für Autoren, die sich in verschiedenen literarischen Genres und auch in verschiedenen Sprachen ausdrücken wollen.

Besonders für junge Autoren sei es wichtig, ein Echo auf ein Werk zu bekommen, oder auch Kritik, und der nationale Literaturwettbewerb stehe eben jedem offen, und erlaube demgemäß auch, neue Talente zu entdecken.

Als Präsident der Jury hielt Theaterdirektor Charles Muller jene Kriterien fest, nach denen die Jury versuchte, das interessanteste Werk aus dem Angebot herauszuschälen. Insgesamt wurden 35 Stücke eingereicht, davon 12 auf luxemburgisch, 14 auf französisch, 7 auf Deutsch und 2 auf Englisch.

In wiefern berührt der Autor?

Die Jury versuchte zu beurteilen, mit wie viel Mut ein Autor schreibt, wie spannend sein Stück für das Publikum ist, in wiefern das Stück aufführbar ist, wie der Stil des Autors ist, sowie ebenfalls sein dramaturgisches Wissen einzuschätzen.

Außerdem wurden der Umgang mit der Sprache, die Glaubwürdigkeit der dargestellten Charaktere, sowie die Tatsache, ob der Autor in der Lage ist, sein Publikum zu berühren, beurteilt.

Dass Guy Wagner, der Gewinner, berührte, war kein Zweifel. In der Tat trugen die Schauspieler Henri Losch und Marie-Paule von Roesgen einen Auszug aus seinem preisgekrönten Stück vor, in dem ein älteres Ehepaar im Zwietracht gezeigt wird. Der Mann ist krank, die Frau begleitet ihn auf seinem schweren Weg, und träumt dann doch hin und wieder davon, wie es wäre, noch einmal neu anzufangen, noch einmal zu lieben, geliebt zu werden, noch einmal wirklich das Leben in sich zu spüren, die Freude am Leben.

Es geht hier um ein grundsätzliches Thema alternder Menschen, oder von Menschen, die Kranke begleiten und nicht immer liebevoll, sondern auch manchmal aggressiv behandelt werden und dann auch selbst aggressiv werden können.

Auch von den zwei anderen prämierten Stücken wurden Ausschnitte vorgetragen, welche Gedanken und Überlegungen anregten zum modernen Leben und zu verschiedenen Problemen der Kommunikation.

Anschließend an die Feier, der zahlreiche Autoren beigewohnt hatten, tranken alle ein Glas im Museumscafé zusammen, in guter Laune und in dem Gefühl, dass die Literatur immer wieder neue und unbekannte Talente offenbart, und dass sie in unserem Land zwar langsam, aber sicher vorankommt und die sozialen Realitäten unserer Gesellschaft zu reflektieren vermag.

Colette Mart (Journal)

 


Zahlreiche Autoren und Literaturinteressenten waren zur Preisverleihung gekommen

Jury-Vorsitzender Charles Muller und die Preisträger in der ersten Reihe

Henri Losch und Marie-Paule von Roesgen tragen einen Auszug aus „D’Enn mäi Frënd“ vor


© LSV, Colette Mart (Journal) & Guy Wagner, 2007